„Alt sein – ein Tabuthema der Gegenwart“ - eine soziale Kampagne

„Alt sein – ein Tabuthema der Gegenwart“ - eine soziale Kampagne
12. 2. 2011

Die Diakonie der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) hat in Zusammenarbeit mit der ProBono Agency eine langfristige Kampagne vorbereitet, um das öffentliche Ansehen von Senioren zu verbessern und zu zeigen, dass Alter und Älterwerden auch Vorteile haben, sowie auf die Tatsache hinzuweisen, dass Senioren im Allgemeinen unterschätzt und von der heutigen Gesellschaft und den Medien übersehen werden. Die Senioren sind die größte Gruppe, um die sich die Diakonie in ihren Zentren kümmert.

Ist Alter ein Tabuthema? Gebieten wir der zunehmenden Altersdiskriminierung Einhalt!

Die Schlüsselbotschaft der ersten Phase der Kampagne ist der Slogan: "Alt sein - ein Tabuthema der Gegenwart”. Am Ende des vorrigen Jahres wurde die erste Phase der Außenwerbungskampagne eröffnet. Im ganzen Land wurden an den Telefonzellen und in den Printmedien Poster veröffentlicht, welche die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Tatsache hinlenken sollten, dass „alt sein“ ein Tabuthema ist, was durch eine Reihe von jüngeren soziologischen und Medienumfragen bewiesen wurde, jedoch bisher nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erregt hat.

“Menschen über 55 scheinen nicht zu existieren. In den Medien tauchen sie fast gar nicht auf, es sei denn als Opfer von Unfällen oder Betrügern", sagt ProBonos Kreativdirektor Ivan Peterka zu den Gründen für die Kampagne, die diese Stereotypen ändern möchte.

Die Expertin der Kampagne ist Dr. Lucie Vidovičová (www.ageismus.cz). Senioren sind im Vergleich zu jungen Menschen benachteiligt. Sie werden häufig mit herabsetzenden Bezeichnungen (alter Knacker, alter Opa) bedacht oder als „langsam, verwirrt, ungeschickt…“ angesehen. Solches Verhalten nennt man Altersdiskriminierung. Die Diskriminierung von Senioren benachteiligt ältere Menschen bewusst, vorsätzlich und häufig aufgrund ihre Alters und anderer erschwerender Umstände und führt zur Stigmatisierung und unnatürlichen Stellung der Senioren sowie zur Verweigerung ihre wohlverdienten Rechte (Vidovičová, Gregorová 2008).

Laut Haushaltsumfragen haben fast ein Drittel der über 60-Jährigen und mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen erst kürzlich eine Situation erlebt, in der sie jemand auf Grund ihres Alters anders behandelt hat. Altersdiskriminierung betrifft jedoch nicht nur die Ältesten. Ein typisches Beispiel ist die Diskriminierung von über 45-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Schwerpunkt der Kampagne wird durch ihren Namen gesetzt – Offen für Senioren. Was soll offen sein bzw. sich öffnen? Die Einstellung der Menschen, das Verhalten von Institutionen und Menschen, öffentliche und private Räume – kurz, die Gesellschaft. Durch die Öffnung der Gesellschaft für Senioren, öffnen wir die Gesellschaft auch für uns selbst.

Die Erbringung von Dienstleistungen für Senioren nimmt einen großen der Teil der Aktivitäten der Diakonie der EKBB ein. In jedem Jahr kümmert sich die Diakonie mit ambulanten (Krankenschwestern, Pflegern) und stationären Diensten (Altenheimen, Hospizen) um mehr als 4.000 Senioren. Die Diakonie arbeitet auch langfristig mit der tschechischen Alzheimer-Gesellschaft zusammen.

Im Rahmen der Kampagne bieten wir gern unsere Medieninstrumente, Diskussionen, Rat und Ratgeber dazu an, wie man Altersdiskriminierung unter den jeweiligen Gegebenheiten vermeiden kann.

Unser Medienpartner im Jahre 2011:



 

 

 

 

 

 

Hier können Sie auch Poster zur Altersdiskriminierung zu den Themen "Ein aktiver Vulkan ist uns vertrauter als ein aktiver Senior”, „Senioren und Sex“ sowie „Senioren und Liebe“ herunterladen.

Einige Tips vom “Senioren-Dekalog” www.otevrenoseniorum.cz:

Älterwerden ist ein Prozess, kein Zustand. Es gibt keine exakte Grenze, ab der man “alt” ist. Ältere Menschen sind wie „junge, nur mit mehr Jahren hinter sich". Es gibt keine Senioren. Menschen im Alter zwischen 60 und 65, die man gemeinhin als Senioren bezeichnet, bilden eine sehr vielfältige Gruppe. Das Altern der tschechischen Bevölkerung ist kein soziales Problem. Der Altersindex sagt nicht viel über die wahren ökonomischen Abhängigkeiten verschiedener Bevölkerungsgruppen aus. Historisch gesehen, ist das Älterwerden der Bevölkerung ein einzigartiges Ereignis – das Ziel ist nicht, „eine Gesellschaft für die Älteren“, sondern eine Gesellschaft, die für alle da ist. Senioren wählen, arbeiten und kaufen ein. Ältere Menschen sind sehr gute Kunden und Konsumenten einer Vielzahl von Dienstleistungen. Viele von ihnen bleiben aktiv, auch wenn sie in Rente sind. Am Alter stirbt man nicht. Trotz ihres Alters erfreuen sich die Hälfte bis ein Dritter der älteren Menschen bester Gesundheit.

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